Getreidefreies Hundefutter: Ist es wirklich gesünder für deinen Hund?
, Von Michael van Wassem, 5 min Lesezeit
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Ist getreidefreies Hundefutter wirklich besser für deinen Hund oder vor allem Marketing? Wir fassen die Fakten zu Getreide, Allergien und der Herz-Diskussion zusammen.
Kurz gesagt: Nein, getreidefreies Hundefutter ist nicht automatisch gesünder als Futter mit Getreide. Für die meisten Hunde macht es kaum einen Unterschied. Bei manchen Rassen besteht sogar ein erhöhtes Risiko für Herzprobleme, wenn Getreide durch große Mengen Hülsenfrüchte ersetzt wird. Nur bei einer nachgewiesenen Getreideallergie – die seltener ist, als viele denken – ist getreidefreies Futter wirklich sinnvoll.
Getreidefreies Hundefutter enthält keinen Weizen, Mais, Reis, Gerste oder Hafer. Stattdessen verwenden Hersteller andere Kohlenhydratquellen wie Kartoffeln, Süßkartoffeln, Erbsen, Linsen oder Kichererbsen. Das Futter ist also nicht automatisch kohlenhydratarm: Das Getreide wird einfach durch eine andere Stärkequelle ersetzt. Dieser Unterschied ist wichtig, denn „getreidefrei" wird im Handel oft mit „gesünder" oder „natürlicher" verwechselt, während es in der Praxis vor allem eine andere Rezeptur bedeutet.
Die Beliebtheit von getreidefreiem Futter entstand vor allem aus der Annahme, dass Hunde als Nachkommen des Wolfs von Natur aus kein Getreide fressen würden. Wissenschaftlich stimmt das nur teilweise: Untersuchungen des Hundegenoms zeigen, dass sich Hunde während der Domestizierung besser an die Verdauung von Stärke angepasst haben als Wölfe. Außerdem spielte das Marketing der Futtermarken eine Rolle. Getreidefreies Futter wurde häufig als Lösung bei Juckreiz, stumpfem Fell oder empfindlichem Magen dargestellt – Beschwerden, die in Wirklichkeit häufiger durch ein bestimmtes Protein (wie Huhn, Rind oder Milchprodukte) verursacht werden als durch Getreide.
Zwischen 2018 und 2019 untersuchte die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) einen auffälligen Anstieg der dilatativen Kardiomyopathie (DCM), einer schweren Herzmuskelerkrankung, bei Hunderassen, die von Natur aus ein geringes Risiko dafür haben. Viele der gemeldeten Hunde erhielten bereits längere Zeit getreidefreies Futter, in dem Hülsenfrüchte (Erbsen, Linsen, Kichererbsen) weit oben auf der Zutatenliste standen.
Wichtig zu wissen: Die FDA konnte nie einen eindeutig bewiesenen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen getreidefreiem Futter und DCM feststellen. Vermutet wird ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, darunter eine möglicherweise verringerte Taurin-Aufnahme (eine für den Herzmuskel wichtige Aminosäure) bei bestimmten Rezepturen mit viel Hülsenfrüchten. Rassen mit einer bekannten erblichen Veranlagung für DCM, wie Dobermann und Cocker Spaniel, tragen unabhängig vom Futter ohnehin ein erhöhtes Risiko. Die Untersuchung endete nie mit einer eindeutigen Schlussfolgerung, doch die Vorsichtsregel, die Tierärzte seither anwenden, lautet: Wähle getreidefreies Futter nicht ohne medizinischen Grund.
Bei einer vom Tierarzt festgestellten Getreideallergie oder -unverträglichkeit ist getreidefreies Futter eine logische und verantwortungsvolle Wahl. Das gilt auch für Hunde, die nach einer tierärztlich begleiteten Ausschlussdiät nachweislich von einem Verzicht auf Getreide profitieren. In diesen Fällen überwiegt der Nutzen deutlich gegenüber der Diskussion um die Herzgesundheit, besonders wenn das gewählte Futter keine übermäßige Menge an Hülsenfrüchten enthält und den FEDIAF-Ernährungsrichtlinien entspricht (dem europäischen Branchenverband für Heimtiernahrung).
Entscheidest du dich bewusst für getreidefreies Futter, zum Beispiel wegen einer festgestellten Unverträglichkeit, achte auf folgende Punkte:
Getreidefreies Futter „zur Sicherheit" wählen. Ohne festgestellte Allergie bringt das den meisten Hunden nichts und kann bei langfristiger Verwendung bestimmter Rezepturen ein unnötiges Risiko darstellen.
Annehmen, getreidefrei sei dasselbe wie kohlenhydratarm. Hülsenfrüchte und Kartoffeln liefern oft ebenso viele oder mehr Kohlenhydrate als das Getreide, das sie ersetzen.
Beschwerden ohne tierärztliche Untersuchung dem Getreide zuschreiben. Hautprobleme, Juckreiz oder ein empfindlicher Magen haben oft eine andere Ursache, etwa eine Proteinallergie, Flöhe oder eine Umweltallergie.
Abruptes Umstellen von getreidehaltigem auf getreidefreies Futter. Das erhöht die Gefahr von Durchfall oder Erbrechen, selbst wenn das neue Futter an sich gut vertragen wird.
Ist getreidefreies Futter grundsätzlich ungesund?
Nein. Viele getreidefreie Futtersorten sind gut ausbalanciert. Das Problem liegt bei bestimmten Rezepturen mit einem sehr hohen Anteil an Hülsenfrüchten, nicht bei „getreidefrei" an sich.
Hilft getreidefreies Futter meinem Hund bei Juckreiz?
Wahrscheinlich nicht, außer ein Tierarzt hat eine Getreideallergie festgestellt. Juckreiz wird häufiger durch eine Proteinallergie, Flöhe oder Hautprobleme verursacht als durch Getreide.
Welche Hunderassen haben ein höheres DCM-Risiko?
Rassen wie Dobermann, Cocker Spaniel, Golden Retriever und Irischer Wolfshund haben von Natur aus ein etwas höheres DCM-Risiko. Bei diesen Rassen ist bei getreidefreien Rezepturen mit viel Hülsenfrüchten besondere Vorsicht ratsam.
Kann ich selbst erkennen, ob Futter viele Hülsenfrüchte enthält?
Ja, schau dir die Zutatenliste auf der Verpackung an. Stehen Erbsen, Linsen oder Kichererbsen unter den ersten fünf Zutaten? Dann enthält das Futter relativ viele Hülsenfrüchte.
Getreidefreies Hundefutter ist weder ein Wundermittel noch eine Gefahr für jeden Hund, der es frisst. Für die meisten Hunde spielt es schlicht keine Rolle, ob Getreide im Futter enthalten ist. Nur bei einer vom Tierarzt festgestellten Getreideallergie ist der Wechsel sinnvoll – am besten zu einem Futter, das den FEDIAF-Richtlinien entspricht, Taurin enthält und nicht übermäßig viele Hülsenfrüchte aufweist. Bist du unsicher? Dann wähle lieber ein komplettes, ausgewogenes Futter mit Getreide oder sprich mit deinem Tierarzt darüber, was am besten zu den Bedürfnissen deines Hundes passt.
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