9 überraschende Fakten über Meerschweinchen, die du noch nicht kanntest
, Von Michael van Wassem, 4 min Lesezeit
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Von poppcornenden Sprüngen bis zur eigenen Sprache voller Pieptöne: Entdecke 9 überraschende Fakten, die jeder Meerschweinchen-Fan kennen sollte.
Sie sitzen in unzähligen deutschen und österreichischen Wohnzimmern, Kinder wachsen mit ihnen auf, und trotzdem weiß kaum jemand, wie viel eigentlich hinter diesem weichen, piepsenden Wollknäuel steckt. Meerschweinchen gehören zu den am meisten unterschätzten Haustieren überhaupt: soziale Tiere mit einer eigenen Sprache, einer überraschenden Geschichte und einem Verhalten, das du wahrscheinlich noch nicht kanntest. Im Folgenden neun Fakten, die jeder Meerschweinchen-Fan (und jeder, der sich welche anschaffen möchte) kennen sollte.
Der englische Name legt etwas anderes nahe, doch Meerschweinchen haben nie in Guinea gelebt. Sie stammen von wilden Nagetieren aus den Anden in Südamerika ab, wo Völker wie die Inka sie schon vor Tausenden von Jahren domestizierten. Um 1500 brachten spanische Entdecker die Tiere mit nach Europa, wo sie schnell als Haustier bei der wohlhabenden Oberschicht beliebt wurden. Woher der Name „guinea pig" genau stammt, ist nicht ganz klar: möglicherweise über Handelsrouten entlang Guineas, oder als Verballhornung von „Guiana", der Region in Südamerika.
Um 1600 war ein Meerschweinchen kein gewöhnliches Haustier, sondern ein kostbarer, exotischer Besitz. Königin Elisabeth I. von England soll selbst eines gehabt haben, was das Tierchen in adligen Kreisen noch begehrter machte. Erst viel später, als Züchter die Tiere in größerem Umfang hielten, wurde das Meerschweinchen zu dem zugänglichen Familientier, das wir heute kennen.
Ein glückliches Meerschweinchen kann plötzlich alle vier Pfötchen vom Boden abstoßen, sich in der Luft drehen und dann davonlaufen: Das nennt man „Popcornen", benannt nach der Art, wie Popcorn in der Pfanne aufspringt. Forscher vermuten, dass dieses Verhalten ursprünglich eine Fluchtreaktion war, mit der wilde Meerschweinchen Fressfeinde verwirren wollten. Bei Hausmeerschweinchen ist es inzwischen vor allem ein Zeichen für pure Freude und überschüssige Energie, häufig zu sehen kurz nachdem sie in einem Auslauf freigelassen wurden oder beim Anblick von leckerem Futter.
Meerschweinchen kommunizieren mit einem überraschend großen Repertoire an Lauten. Am bekanntesten ist das „Wheeken": ein hoher, durchdringender Pfeifton, der meist bedeutet, dass Futter erwartet wird. Daneben „brummeln" sie (ein tiefes, brummendes Geräusch, das zum Balzverhalten oder zur Klärung der Rangordnung gehört, meist kombiniert mit einem langsamen, wiegenden Gang), knirschen sie leise mit den Zähnen als Zeichen von Entspannung oder gerade Irritation, und quieken sie kurz und schrill bei Schreck oder Schmerz. Wer genau hinhört, erkennt schnell, wie sich ein Meerschweinchen fühlt.
Meerschweinchen lernen blitzschnell, welche Geräusche Futter ankündigen. Das Rascheln einer Gemüsetüte, die Kühlschranktür, die sich öffnet, oder sogar deine charakteristischen Schritte auf der Treppe können schon genügen, um einen ganzen Chor von Pfeiftönen auszulösen. Das ist kein Zufall: Meerschweinchen haben ein gutes Gedächtnis für wiederkehrende Muster und verknüpfen diese mühelos mit der Aussicht auf Futter.
In freier Wildbahn leben Meerschweinchen immer in Gruppen. Ein Meerschweinchen, das einsam in einem Käfig sitzt, entbehrt somit ein grundlegendes Lebensbedürfnis: Artgenossen, mit denen es kommunizieren, kuscheln und gemeinsam wachsam sein kann. Halte Meerschweinchen daher immer mit mindestens zwei (gut ausgewählten) Artgenossen zusammen und sorge für ausreichend Platz, damit sie wirklich zueinander finden können. Ein geräumiges Rückzugshäuschen macht dabei einen großen Unterschied.
Genau wie bei Kaninchen wachsen die Zähne eines Meerschweinchens ständig weiter, manchmal um mehrere Zentimeter pro Monat. Ohne ausreichenden Abrieb können die Zähne zu lang werden, was schmerzhaftes Fressen und sogar Verletzungen im Maul verursachen kann. Die Lösung ist einfach, aber unerlässlich: unbegrenzt frisches Heu, das das Nagen anregt und gleichzeitig den Darm in Bewegung hält. Ohne Heu geht das einfach schief: Heu ist deshalb kein nettes Extra, sondern die Grundlage der Ernährung.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Säugetieren fehlt Meerschweinchen das Enzym, um selbst Vitamin C zu produzieren – genau wie uns Menschen. Ein Mangel kann zu einem geschwächten Immunsystem und Gelenkbeschwerden führen. Frisches Grünfutter und spezielles Meerschweinchenfutter mit zugesetztem Vitamin C sind daher kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis.
Während die meisten Nagetiere nackt, blind und hilflos geboren werden, kommen Meerschweinchenbabys voll behaart und mit offenen Äuglein zur Welt und können bereits wenige Stunden nach der Geburt selbstständig festes Futter fressen. Dieses besondere Phänomen nennt man Nestflüchtertum (Präkozialität) und ist unter Nagetieren recht einzigartig. Muttertiere säugen ihre Jungen zwar noch eine Weile, doch die Jungtiere sind vom ersten Tag an erstaunlich selbstständig.
Meerschweinchen werden oft als einfache Einsteigertiere angesehen, doch wer genauer hinschaut, entdeckt soziale, kluge Tiere mit einer eigenen Geschichte, einer eigenen Sprache und überraschendem Verhalten. Ob du schon seit Jahren Meerschweinchen-Fan bist oder überlegst, dir selbst welche anzuschaffen: Mit dem richtigen Wissen und der richtigen Pflege holst du das Beste aus diesen überraschend besonderen Nagetieren heraus.